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Lao-Tse
Weisheiten |
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Zur Einführung.....................................................1 Die eigene Lehre............................................... 11 Das Tao............................................................ 12 Nicht-Tun.......................................................... 23 Die Ordnung der Dinge...................................... 27 Der Herrscher................................................... 40 Über die Tugend................................................ 56 Der Mensch....................................................... 65 Über die Wahrheit.............................................. 74 Der Weise......................................................... 78 Über den Krieg.................................................. 88 |
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[Khalil Gibran] |
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Das »Buch vom Weg und von der Tugend«, wie man das Tao-Teh-King, als dessen Verfasser ein Mann namens Lao-Tse (das könnte man übersetzen mit »Alter Meister«) gilt, zählt im Gesamtumfang nicht mehr als 5300 Worte; bei der Abfassung wurden insgesamt nicht mehr als rund 800 verschiedene Schriftzeichen benutzt - ein eindringlicher Hinweis auf die Schlichtheit der Sprache in dieser ohne jeden Zweifel grundlegenden Schrift der Philosophiegeschichte. Der vorgegebene Verfasser, Lao-Tse, ist historisch nicht einwandfrei greifbar, auch wenn neuere Forschungen darauf hinweisen, dass der Verfasser des Tao-Teh-King etwa um das Jahr 300 v. Chr. oder aber später gelebt haben mag. Auch die chinesischen historiographischen Schriften geben uns keine weiterführende Hilfe auf unserer Suche nach dem Autor des schmalen Büchleins. Wohl wird im taoistischen Traktat des Tschuang-Tse ein Tao-Tan erwähnt, der als Gegenspieler des gelehrten Konfuzius auftritt; stimmten diese Angaben, dann wäre dieser Auftritt etwa Mitte des sechsten, Anfang des fünften Jahrhunderts v. Chr. erfolgt. Doch da chinesische Chronisten und Philosophen schon immer die Neigung besaßen, Personen, an deren Lehre oder Wirken ihnen lag, älter zu machen, indem sie sie anderen historischen Persönlichkeiten zuordneten, kann man auf diese Erwähnung im Tschuang-Tse-Text wenig geben. Und auch die Schilderung, die der Historiker Sze-Ma Kien in seinen Geschichtsannalen, dem Schi-ki, vom letzten Auftauchen des greisen Philosophen in dieser Welt gibt, gehört wohl mehr ins Reich der Fabel: Da macht sich ein königlicher Archivar, der Welt und ihrer Ereignisse überdrüssig, nach Westen auf, um die Welt (das aber hieß für die alten Chinesen immer: das Reich der Mitte, China also) zu verlassen. Am fernen Pass trifft der Alte auf den Kommandanten der Grenzstation, der ihn inständig bittet, seine Gedanken in schriftlicher Form zurückzulassen, wenn er denn schon diese Welt hinter sich lassen wolle. Diesem wissbegierigen Kommandanten also, so will es diese auch bei uns sehr bekannte Fabel, haben wie die Niederschrift des Tao-Teh-King zu verdanken. Wenn also auch die Person des Verfassers des Tao-Teh-King im Dunkel der Geschichte verborgen bleibt, so ist sein Werk seit langem weltweit verbreitet und genießt große Wertschätzung. Was wohl immer wieder viele Menschen in Bann schlägt, ist das mystische Dunkel, das Vieldeutige vieler Sentenzen im Tao-Teh-King, was auf der anderen Seite dazu geführt hat, dass es fast unzählige Übersetzungen des Büchleins in die verschiedensten Kultursprachen gibt (allein im Deutschen gibt es bereits eine fast unübersehbare Anzahl), die sich in manchen Versionen grundlegend unterscheiden. Dies hängt sicherlich zum einen mit dem tiefgründigen Gedankengut Lao-Tses, um bei diesem Verfassernamen zu bleiben, zusammen; zum anderen aber auch mit der Struktur der klassischen chinesischen Schriftsprache, die verschiedene Übersetzungsvariationen ermöglicht, von denen jede als richtig belegt werden kann. Die beiden Grundbegriffe in Lao-Tses Werk, nämlich »Tao« und »Teh«, wie sie bereits im Titel des Traktates ausgewiesen werden, bieten dafür Beispiel genug. »Tao« bedeutet, wörtlich übersetzt, zunächst einmal »der Weg«, aber auch - verbal verstanden - »führen«, »lenken«, »regieren«; zeitweilig kann es auch die Bedeutung »sprechen« oder »nennen« haben. »Tao« kann aber auch, auf der anderen Seite, für das Zusammenspiel der beiden kosmischen Kräfte stehen, des (weiblichen) Yin und des (männlichen) Yang; es bedeutet dann etwa »kosmische Ordnung«. Um Missverständnisse von vornherein auszuschließen, haben wir »Tao« als Begriff stehen lassen. »Teh«, der zweite Begriff, wird hier wiedergegeben mit »Tugend«. Es ist darunter die Wirkkraft zu verstehen, die den einzelnen Wesen ihre wesensbedingte Besonderheit verleiht. Dabei ist »Teh« direkter Ausfluss des Wirkens von »Tao«. Ursprünglich, so kann man annehmen, verbarg sich hinter »Teh« ein mehr naturreligiöser, animistischer Begriff; von daher ist offenkundig, dass nicht nur dem Menschen »Teh« innewohnt, sondern ganz natürlich auch der Tier- und Pflanzenwelt, aber ebenso gut dem Erz oder den Wettererscheinungen . Lao-Tses Schrift ist zuerst einmal eine politische Schrift mit direkten Anweisungen an den Herrscher, wie er seine Geschäfte zu führen hat; darüber hinaus aber stellt es sich bei näherer Betrachtung sehr wohl auch als praktisches Handbuch für den Alltag, die täglichen Verhaltensweisen des einzelnen, heraus. Es ist dies ein Aspekt, der neben allem Rätselraten über die Bedeutung manch mystisch-hintergründiger Textstelle öfter vergessen wird. In dieser Auswahl aus dem Tao-Teh-King wird versucht darzustellen, dass auch der moderne Mensch mit dem Altchinesen Lao-Tse und seinem Werk durchaus noch etwas anfangen kann. Manches musste dabei weggelassen werden, was ohne weitgehende Einsicht in die Zusammenhänge chinesischen Denkens nicht verständlich würde. Natürlich handelt es sich hier um eine sehr persönliche Zusammenstellung des Herausgebers, der freilich hofft, das Wesentliche herausgeholt und damit etwas zur Aufhellung dieses Traktates beigetragen zu haben. Der doch auch praktische Charakter des Büchleins über Tao und Teh ließ es berechtigt erscheinen, ihm Illustrationen beizugeben, die chinesische Menschen bei der täglichen Arbeit zeigen. Denn auch für sie wurde dieser Text ursprünglich geschrieben.
Leicht ist zu verstehen, was ich sage, und leicht auch danach zu handeln; dennoch gibt es niemanden in der Welt, der imstande wäre, sich danach zu richten.
Nur wenige gibt es, die mich verstehen; darum schätzt man mich hoch.
Das Tao, das so genannt werden kann, ist nicht das ewige Tao. Der Name, der genannt werden kann, ist nicht der ewige Name. Das Namenlose ist der Anfang von Himmel und Erde, als Benanntes ist es die Mutter der zehntausend Wesen.
Das Große Tao wogt hin und her, es kann links und rechts sein. Alle Wesen bauen darauf im Leben, und es weist sie nicht zurück. Wenn es sein Werk vollendet hat, so beansprucht es nicht den Ruhm davon. Es liebt und nährt alle Geschöpfe und spielt nicht den Herren. Stets ist es wunschlos und kann klar genannt werden. Alle Geschöpfe wenden sich ihm zu, aber es kehrt nicht den Herrn heraus und kann als groß bezeichnet werden.
Das ist des Himmels Tao: Dem wird genommen, der Überfluss hat; dem wird gegeben, der nicht genug hat. Das dagegen ist der Menschen Tao: Sie nehmen denen, die nicht genug besitzen; sie geben denen, die bereits Überfluss haben.
Das Tao in der Welt ist wie das große Meer, in das alle Ströme streben.
Tao ist dauernd ohne Handeln; aber es gibt nichts, was es nicht vollbringen könnte.
Sein Werk tun und sich dann zurückziehen: Das ist das Tao des Himmels.
Das Große Tao - es ist ein ebener Weg. Das Volk aber bevorzugt Seitenpfade.
Verliert man das Tao, dann folgt darauf die Tugend; verliert man die Tugend, dann folgt darauf die Menschlichkeit; verliert man die Menschlichkeit, dann folgt darauf die Gerechtigkeit; verliert man die Gerechtigkeit, dann folgt darauf die Sittsamkeit. Die Sittsamkeit aber ruht auf verderbter Aufrichtigkeit und Treue und bildet den Anfang allen Streits.
Das Tao des Himmels kennt keine Bevorzugten; es ist immer mit dem Guten.
Wer dem Tao zuwiderhandelt, der wird früh enden.
Wer höchste Kraft erlangt hat, der beginnt zu altern. Das heißt: Er ist ohne Tao. Denn wer Tao nicht hat, der ist bald am Ende.
Wer mit Tao ans Werk geht, wird eins mit dem Tao; wer mit Tugend ans Werk geht, wird eins mit der Tugend; und wer beide verliert, wird eins mit der Verlorenheit.
Es steht für sich und ist unwandelbar; es kreist im Rund und ist unerschöpflich. Man könnte es nennen: Mutter der Welt. Doch seinen wahren Namen kenne ich nicht, daher nenne ich es Tao.
Die Kraft der Tugend - sie wächst immer aus dem Tao. Das Wirken des Tao aber ist in sich unfassbar und wunderbar. Die Bilder in ihm - nicht zu begreifen, nicht zu fassen sind sie. Die Wesen in ihm - nicht zu begreifen, nicht zu fassen sind sie.
Verborgen ist das Tao und ohne Namen und doch spendet es allen Vollendung.
Hört ein Gebildeter vom Tao, dann folgt er ihm sorgsam nach; hört ein Halbgebildeter vom Tao, dann folgt er ihm wohl, verliert es aber auch; hört ein Ungebildeter vom Tao, dann lacht er darüber. Würde er nicht darüber lachen, was wäre das wohl für ein Tao!
Wer das Tao versteht, scheint nichts zu verstehen; wer im Tao vorwärts schreitet, scheint rückwärts zu gehen.
Das Tao - es ist Hort der zehntausend Dinge; für den guten Menschen ein Schatz, für den schlechten Menschen eine Zuflucht.
Richtschnur für den Menschen ist die Erde; Richtschnur für die Erde ist der Himmel; Richtschnur für den Himmel ist das Tao; Richtschnur für das Tao ist es selbst.
Wer dem rechten Weg nicht folgt, wird rasch vergehen.
Festhalten am Tao des Altertums und damit das Heute lenken, wissen um den Urbeginn - das nennt man: Richtschnur des Tao.
Dein Tun sei Nicht-Tun; dein Geschäft sei Nicht-Geschäftigkeit.
Sei nachgiebig und schwach; so bezwingst du Unnachgiebigkeit und Stärke.
Wer seinen Mund verschließt, Auge und Ohr versperrt, den plagt keine Mühsal bis zum Ende. Wer seinen Mund auftut und Geschäften nachgeht, dem kann nicht geholfen werden bis zum Ende.
Wer Nicht-Tun praktiziert für den gibt es nichts, was er nicht regieren könnte.
Wer das Lernen pflegt, nimmt täglich zu; wer das Tao pflegt, nimmt täglich ab. - Wer abnimmt und immer weiter abnimmt, der gelangt zum Nicht-Tun: Nichts tut er und doch wird alles getan.
Nur was rein und still ist, vermag Richtschnur für die Welt zu sein.
Wer das Ewige nicht kennt, der bringt - sinnlos - Unheil mit sich; wer das Ewige kennt, der ist weitherzig. Weitherzig - das ist: gerecht; gerecht - das ist: königlich; königlich - das ist: dem Himmel gleich; dem Himmel gleich - das ist: einssein mit dem Tao; einssein mit dem Tao - das ist: unvergänglich.
Als das Große Tao verloren ging, da entstanden Menschlichkeit und Gerechtigkeit; als Klugheit und Scharfsinn aufkamen, da entstand Heuchelei; als der Sippenzusammenhalt schwand, da entstanden Kindespflicht und Vaterliebe; als der Staat in Verfall und Wirrungen geriet, da entstand der treue Untertan.
Wer sich der Bestimmung zuwendet, der ist beständig; wer das Ewige kennt, der ist erleuchtet.
Die große Fülle scheint leer zu sein, und doch kann man sie nicht ausschöpfen.
Der Raum zwischen Himmel und Erde, gleicht er nicht einem Blasebalg? Hohl ist er, doch er fällt nicht zusammen; er wird bewegt, und bringt doch viel hervor.
In der Welt ist nichts weicher und schwacher als das Wasser; und doch greift es das Harte und Starke an, und nichts könnte es bezwingen, denn nichts vermag es zu ändern.
Ein jeder weiß, dass das Schwache das Starke und das Weiche das Harte besiegt; und doch bringt es keiner fertig, danach zu handeln.
Sein und Nichtsein bedingen einander, Schwierig und Leicht vollenden einander; Lang und Kurz messen einander; Hoch und Niedrig erzwingen einander; Stimme und Ton fügen sich einander; Vorher und Nachher schmiegen sich aneinander.
Wer sich das Tao bewahrt, der wird nicht Fülle begehren; denn nur wer Fülle nicht begehrt, kann bewahren, ohne Neues zu schaffen.
Das Werk vollenden und sich dann zurückziehen - das ist des Himmels Tao.
Das höchste Gute ist wie das Wasser: Das Wasser ist gut, es nützt allen Wesen, aber es streitet sich mit niemandem.
Das Vollkommene scheint reichlich unvollkommen; und ist doch zu allem zu gebrauchen.
Die größte Offenbarung ist die Stille.
Reinheit und Stille - das ist die Ordnung der Welt.
Erreichen das Äußerste der Leere; bewahren die allergrößte Stille - dann wird es allen Wesen wohl ergehen.
Bewegung hilft gegen Kälte; Stillhalten hilft gegen Hitze; Bewegung und Stillhalten aber erhalten der Welt das rechte Maß.
Nur wer sich nicht streitet, ist ohne Fehl.
Auch wenn ein großer Hass besänftigt wird, es bleibt ein Rest davon zurück. Ist das denn gut?
Alles in der Welt kommt aus dem Sein; doch das Sein kommt aus dem Nicht-Sein.
Die Geschöpfe - wer sie mindern will, der mehrt sie; wer sie mehren will, der mindert sie.
Heimkehr zur Wurzel, das ist Stille. Man nennt das: Zurück zum Wesentlichen.
Wer einen Baum sieht, hat alle Bäume gesehen.
Wer stolz ist auf Ehre und Reichtum, der schafft sein eigenes Verderben.
Viele Worte erschöpfen sich schnell. Besser ist es, Maß zu halten.
Niemand kann mit Gold und Juwelen gefüllte Hallen sicher bewahren.
Pflege das Einfache und wahre das Schlichte; mindere den Eigennutz und verdräng die Begierde.
Das Netz des Himmels reicht weit, und seine Maschen sind groß; dennoch entgeht ihm nichts.
Das ist des Himmels Art: für niemanden hat er eine besondere Vorliebe, aber immer ist er auf der Seite der Guten.
Himmel und Erde sind nicht fähig, Dauer zu schaffen; wie also könnte dies dem Menschen gegeben sein?
Wer über dem Volk sein will, der muss sich erniedrigen; wer dem Volk voran sein will, der muss sich hintanstellen.
Schwer ist das Volk zu regieren, wenn es zu klug ist.
Nicht vorzeigen, was begehrenswert ist - so wird des Volkes Herz nicht aufbegehren.
Ist die Regierung lahm, dann ist das Volk einfältig; ist die Regierung zielstrebig, dann ist das Volk kraftlos.
Nicht darfst du den Fisch aus der Wassertiefe aufsteigen lassen; nicht darf man dem Volke die machtvollen Waffen des Staates zeigen.
Wenn das Volk den Tod nicht genug achtet, dann liegt das daran, dass die Oberen das Luxusleben suchen.
Mit Klugheit das Reich zu beherrschen, das ist des Reiches Unglück; nicht mit Klugheit das Reich beherrschen, das ist des Reiches Glück.
Der wahre Herrscher legt keinen besonderen Wert auf Worte, allein seine Werke sind ihm von Wert.
Der Weise sagt: Wer die Übel des Landes auf sich lädt, der wird Priester des Landes genannt; wer das Unheil des Reiches auf sich lädt, der wird Herr des Reiches werden.
Klein soll der Staat sein und gering an Zahl das Volk; und mag es noch so viele Geräte geben, er soll sie nicht benutzen.
Ein großes Land regieren gleicht dem Kochen kleiner Fische.
Wer sich selbst besiegt, der ist stark.
Bevorzuge nicht die Fähigen; so erreichst du, dass das Volk sich nicht ereifert.
Dies ist die äußerste Erleuchtung: Nachgiebigkeit und Schwachheit siegen über Unnachgiebigkeit und Stärke.
Wer schwer zu erlangende Güter nicht zu hoch bewertet, der bewirkt, dass das Volk nicht räuberische Gelüste nährt.
Der weise Herrscher hat kein unveränderliches Herz; aus des Volkes Herzen macht er sein eigenes Herz.
Wenn einer daran dachte, die Macht im Reich an sich zu reißen, so wäre dies vergeblich. Denn das Reich ist ein geistiges Gefäß, an das man nicht rühren darf. Wer daran rührt, zerstört es; wer danach greift, dem geht es verloren.
Je mehr Verbote es gibt, desto ärmer ist das Volk; je mehr Waffen das Volk hat, desto größer ist die Verwirrung im Staat. Je mehr Kunstfertigkeit im Volk ist, desto seltsamere Dinge gibt es; Je mehr Gesetze es gibt, desto mehr Räuber und Diebe treiben ihr Unwesen. Daher sagt der Weise: Ich übe Nicht-Tun, dann wandelt sich das Volk von selbst.
Strebst du nach höchster Ehre, dann bleibt Ehre dir versagt.
Wem das Reich ebensoviel wert ist, wie das eigene Ich, dem kann man das Reich anvertrauen.
Mit Tao das Reich regieren - dann ist's vorbei mit Geisterspuk; nicht dass sie über keine Kraft mehr verfügten, doch die Kräfte beeinflussen die Menschen nicht mehr.
Wenn das Volk Hunger leidet, dann kommt das daher, dass die Oberen zu viele Steuern verbrauchen. Dann leidet es Hunger und ist schwer zu regieren. Weil die Oberen so geschäftig sind, darum ist es so schwer zu lenken.
Wer ganz oben ist, von dem wissen die Niederen, dass es ihn gibt; den darunter, den loben sie; den darunter, den fürchten sie; den darunter, den verachten sie.
Der rechte Herrscher - so ist seine Regierung: Er leert die Herzen, er füllt des Volkes Bäuche, er schwächt ihre Wünsche, er stärkt ihre Knochen. Für immer lässt er das Volk ohne Wissen und ohne Begehren und erreicht so, dass auch die Klugen nicht wagen zu handeln.
Wenn der Palast prunkvoll ist, der Acker dagegen wüst und leer der Speicher; wenn die Kleider prächtig sind und ein scharfes Schwert gegürtet wird, wenn es Völlerei gibt an Speis und Trank und im Übermaß Schätze aufgehäuft sind: Das nennt man fürwahr eine Räuberregierung. Dies hat nichts zu tun mit Tao.
Der Heilige Herrscher sagt: Ich übe Nicht-Tun und das Volk gedeiht wie von selbst; ich verhalte mich still und das Volk findet von selbst die rechte Ordnung; ich gehe keinen Geschäften nach und das Volk wird von selbst reich; ich begehre nichts und das Volk wird von selbst einfach.
Drei kostbare Schätze, die ich bewahre: Der erste ist Mitgefühl, der zweite ist Mäßigung, der dritte ist Zurückhaltung. Wer Mitgefühl besitzt, der kann selbst mutig sein; wer Mäßigung besitzt, der kann selbst großzügig sein; wer Zurückhaltung besitzt, der kann selbst allen Wesen voranstehen.
Ewig ist der Himmel und ewig ist die Erde; was aber macht ihnen möglich, ewig zu dauern? Es ist, weil sie nicht selber leben, darum können sie ewig leben.
Daher setzt der Heilige sein Selbst zurück und kommt so voran; er verzichtet auf sein Selbst und bewahrt es auf diese Weise.
Wer sich selbst überwindet, wird stark.
Die höchste Tugend weiß nicht von Tugend, daher ist sie Tugend; die niedere Tugend kann auf Tugend nicht verzichten, daher mangelt es ihr an Tugend.
Wer mit keinem streitet, der macht niemandem den Sieg streitig.
Wer das Männliche weiß und das Weibliche bewahrt, der wird das Strombett der Welt. Wer das Strombett der Welt ist, den verlässt die Tugend nicht und er wird wieder zum Kind.
Erzeugen, doch nicht um es zu besitzen; tun, doch nicht um etwas dafür zu verlangen; behüten, doch nicht um es zu beherrschen - das ist die größte Tugend.
Wer Tugend besitzt, der hält Verträge ein; wem Tugend fehlt, der fordert nur.
Wahre Tugend gibt sich nie als Tugend.
Nur wenig reden, das ist der Wille der Natur.
Wer der Tugend Kraft in sich trägt, der ist dem Neugeborenen gleich: Vom giftigen Gewürm wird er nicht gestochen, von Raubtieren nicht angefallen, und von Greifvögeln nicht angegriffen.
Die uralte Tugend, sie ist tiefgründig und weit und im Widerspruch zu allen Dingen. Doch nur wer ihr folgt, dem naht die große Harmonie.
Es gibt keinen größeren Fehler, als seinen Begierden freien Lauf zu lassen.
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Dein Wunsch sei nicht, zu funkeln wie ein Edelstein, sondern gemein zu sein, wie der einfache Fels.
Mit gedrechselten Worten kann man manches erhandeln, doch nur durch's rechte Verhalten, kann man die anderen überflügeln.
Die schlechten Menschen - weswegen sollte man sie verwerfen?
Weg mit der Heiligkeit und fort mit der Klugheit! Die Menschen werden daraus hundertfach Nutzen ziehen. Weg mit der Menschlichkeit und fort mit der Gerechtigkeit! Die Menschen werden zu Kindespflicht und Elternliebe zurückfinden. Weg mit der Geschicklichkeit und fort mit dem Gewinnstreben! Dann wird es weder Räuber noch Diebe geben. Denn diese drei Dinge sind schön, doch genügen sie nicht.
Gewaltsam ist der Tod, den der Gewalttätige stirbt.
Der Mensch ist weich und schwach, wenn er geboren wird; im Tode aber wird er hart und steif. Tiere und Pflanzen sind zart und nachgiebig, wenn sie entstehen; sie werden dürr und starr, wenn sie vergehen. Also: Starr und Hart - sie sind Begleiter des Todes. Weich und Schwach - sie sind Begleiter des Lebens.
Vergeltet Hass mit Liebe!
Wer keinen Streit beginnt, der wird auch nicht getadelt.
Wer sich selbst rühmt, der kann nicht gewinnen.
Der weise Mensch denkt nie an eigene Größe; drum wird er groß.
Verzichte auf das Erlernte, und du wirst ohne Sorgen sein.
Ein guter Rechner braucht keinen Rechenstab.
Ein guter Händler versteckt seine Waren und tut so, als habe er nichts anzubieten.
Die Menschen muss man lehren: Kehrt zum Einfachen und Wahren zurück, vermindert Eigensucht und Begehren!
Wer weiß, der redet nicht; wer redet, der weiß nicht.
Es gibt kein größeres Unglück, als nie genug zu bekommen.
Wer sein Leben nicht hochschätzt, taugt mehr als der, dem viel an seinem Leben liegt.
Ewig besiegt das Weibliche das Männliche - durch Stille.
Der gute Redner hegt keine Hintergedanken.
Kein größeres Unheil gibt es, als nach Profit zu streben.
Wahre Worte sind nicht angenehm; angenehme Worte sind nicht wahr.
Gut und Schlecht - wie wenig sind sie einander fern!
Seit jeder weiß, dass das Schöne schön ist, seitdem gibt es das Hässliche; seit jeder weiß, dass das Gute gut ist, seitdem gibt es das Schlechte.
Dreißig Speichen vereinen sich auf der Nabe. Da, wo nichts ist, befindet sich des Rades Brauchbarkeit.
Aus Ton werden die Krüge geknetet; da, wo nichts ist, befindet sich der Gefäße Brauchbarkeit.
Tür und Fenster werden aus der Hauswand geschlagen; da, wo nichts ist, befindet sich des Hauses Brauchbarkeit.
Das wahre Wort - es klingt gar oft verkehrt.
Der Wissende ist nicht gelehrt; der Gelehrte ist nicht wissend.
Wer gut ist, der ist nicht beredt; wer beredt ist, der ist nicht gut.
Der Weise tut ohne Taten und lehrt ohne Worte.
Wer weiß, dass er nichts weiß, der ist der Höchste.
Nicht das Haus verlassen und doch die Welt kennen; nicht aus dem Fenster schauen und doch das Tao des Himmels sehen. Wer weit weg geht, der weiß sehr wenig!
Nichts ist schlimmer als nicht genug zu wissen.
Wer das Helle weiß und das Dunkle bewahrt, der ist Vorbild für die Welt. Wer Vorbild ist für die Welt, der verfehlt die Tugend nicht und kehrt zurück in den Urzustand.
Seiner selbst nicht achten - und darum erleuchtet werden.
Wer die Ehre weiß und die Unehre bewahrt, der wird das Tal der Welt. Wer das Tal der Welt ist, der hat der Tugend genug und kehrt heim zur Einfalt.
Wer nicht auf sein Recht pocht, dem wird Recht gegeben.
Dich selbst sollst du nicht loben, dann wirst du erhöht werden.
Wer die anderen bezwingt, der ist stark; wer sich selbst bezwingt, der ist mächtig.
Der Weise hält sich an das Eine; so wird er Vorbild für die ganze Welt.
Wer auf sich selbst sieht, der wird nicht erleuchtet. Wer sein eigen Tun für richtig hält, der wird nicht beachtet.
Seine Verdienste nicht herausstellen - das heißt: Verdienstvolles schaffen.
Himmel und Erde - sie kennen keine Freundlichkeit; wie Strohhunde sind für sie die Geschöpfe. Der Weise - auch er kennt keine Freundlichkeit; wie Strohhunde sind für ihn die Menschen.
Der Weise - er schafft die Dinge, doch nicht um sie zu besitzen. Denn er tut und verlangt nichts für sich. Er hütet sie, doch nicht um sie zu beherrschen. Das ist die ureigenste Tugend.
Die Ruhe ist der Meister des Handelns.
Der Weise häuft keine Schätze an. Er sorgt für die anderen, um so mehr besitzt er; er gibt den anderen, um so mehr hat er.
Der Große Mensch hält sich ans Ganze und verharrt nicht beim Unvollkommenen. Er hält sich an die Frucht und verharrt nicht bei der Knospe.
Wer nicht genug Vertrauen hat, dem wird nicht vertraut.
Wer auf Zehen geht, hat keinen festen Stand; wer breitbeinig schreitet, kommt nicht voran.
Wer mit Tao dem Menschenherrscher dient, der unterdrückt nicht mit Waffengewalt die Welt; denn es könnte auf ihn zurückschlagen.
Herrscht Tao in der Welt, dann werden die Pferde zum Ackern geschickt. Herrscht Tao nicht in der Welt, dann grasen die Kriegsrösser auf den Feldern.
Wer tüchtig ist, der siegt, das ist genug, und er wagt nicht, Gewalt anzuwenden, um es zu erobern. Er siegt, ohne zu prahlen; er siegt, ohne sich zu rühmen; er siegt ohne stolz zu sein; er siegt, wenn er nicht anders kann; er siegt, doch ohne gewalttätig zu sein.
Wer fähig ist, ein Heer zu führen, der suche nicht den Krieg. Wer fähig ist, einen Kampf durchzustehen, der lässt sich nicht vom Zorn packen. Wer fähig ist, den Feind zu besiegen, den dürstet nicht nach Streit.
Waffen sind Geräte des Unheils und keine Geräte für den Edlen. Nur wenn es nicht zu vermeiden ist, nimmt er sie in Gebrauch.
Auch schöne Waffen sind keine glückbringenden Geräte; alle Wesen verabscheuen sie von Herzen. Und wer Tao besitzt, verlässt sich darauf nicht.
Es gibt nichts Schlimmeres, als den Feind zu unterschätzen; leicht kann ich so um meine Schätze gebracht werden.
Wer siegt, soll sich dessen nicht rühmen. Sich dessen zu rühmen, hieße sich freuen, Menschen zu töten. Wer sich freut; Menschen zu töten, der zwingt niemals der Welt seinen Willen auf.
Wo die Heerschar lagert, da wachsen danach Disteln und Dornengestrüpp; und im Gefolge großer Armeen gibt es Jahre der Not.
Wenn zwei gleichstarke Gegner gegeneinander die Waffen schlagen, siegt der, den Mitleid bewegt.
Vertraut das Heer auf seine Stärke, dann kann es nicht siegen.
Sind viele Menschen getötet worden, so soll man sie in verzweifelter Trauer beweinen. Wer aber den Kampf gewonnen hat, der soll sich fühlen wie bei eine Leichenfeier.
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